Kritiken

Vor und nach dem Attentat: "Keiner Keinem"

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Was bleibt von zwei Selbstmordattentätern? Eine leere Wohnung und unschuldige Dinge, die möglicherweise als Beweismaterial dienen können. "Photoalbum" nennt Kristo Sagor sein Stück "Keiner Keinem", in dem sich der deutsche Dramatiker auf ungewöhnliche Weise einem Verbrechen nähert. Aus der Perspektive der Spurensucher werden in elaborierten Monologen Dinge aus der Wohnung der Täter beschrieben (der Toaster, die Schere, der Staub …); dazwischen geschnitten sind knappe Dialoge der Attentäter - ein junges Liebespaar mit revolutionären Flausen - vor dem Anschlag. Die Uraufführung im Schauspielhaus ist eine Produktion des Konservatoriums Wien, es spielen Studentinnen und Studenten des dritten Jahrgangs. Regisseur Marco Storman hat die Vorlage stark bearbeitet und den Schwerpunkt auf das Täterpärchen verlegt. Das macht das Stück klarer, aber auch konventioneller. Und: Wenn die beiden Protagonisten spielen, wirken die sechs anderen Darsteller bisweilen etwas verloren. Weder Text noch Inszenierung können wirklich überzeugen. Dass die siebzig Minuten dennoch irgendwie fetzen, ist der Energie des jungen Ensembles zu verdanken.

Schauspielhaus, So, Mi 20.00 (bis 1.2.)


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