Kritiken

Verstaubt: Thomas Bernhard an der Burg

Lexikon | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Thomas Bernhard geht es wie Nestroy: Alle bewundern seine sprachgewaltigen Stücke, aber wenn sie auf die Bühne kommen, wirken sie oft verstaubt und langweilig. Ein anschauliches Beispiel dafür ist derzeit im Burgtheater zu erleben, wo "Der Schein trügt" (1984) gegeben wird. Das Stück handelt von zwei herzlich verfeindeten Brüdern, zwischen denen die kürzlich verstorbene Frau des einen steht. Der Artist Karl (Martin Schwab) hat zu seiner Glanzzeit 23 Teller in der Luft gehalten, der Schauspieler Robert (Michael König) hat mehr als 100-mal den Tasso gespielt. Aber das ist lang vorbei, sie haben nur noch sich, die Erinnerung - und natürlich die Times. Das eine Problem des Abends ist, dass Schwab für den brutalen Witz seiner Figur einfach zu nett ist. Das andere besteht darin, dass Nicolas Brieger souverän seinen Ruf als farblosester Regisseur der gesamten Ära Bachler bestätigt. WK

Nächste Vorstellung: Burgtheater, 26.1., 20.00


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