Theater Kritik

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Lexikon | Gregor Schenker | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang", stellte schon Schiller fest. Im Falle von Martha und George, den Protagonisten des Evergreens "Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?" des amerikanischen Stardramatikers Edward Albee, währt die Reue ein alkoholgeschwängertes Leben lang. Und auch ihre beiden jung verheirateten Gäste Nick und Putzi stehen an der Pforte zur Hölle.

Das Grazer Schauspielhaus spickt diese Saison mit Klassikern, so ist es nicht verwunderlich, dass nicht Albees 2002 mit dem Tony Award und 2004 mit dem Nestroy prämierte Stück "Die Ziege oder Wer ist Sylvia" auf dem Programm steht, sondern das allseits - bereits durch die Verfilmung mit Richard Burton und Liz Taylor - bekannte und durch Jürgen Gosch zu neuen Theatertriumphen geführte Ehedrama. Der Text von 1963 ist noch immer ein furioses Schauspielerstück, in dem dem American Way of Life wie einer Zitrone die goldgelbe Schale abgezogen wird. Mit Steffi Krautz und Dominik Warta als Martha und George kann eigentlich gar nichts schiefgehen. Regisseur Tom Kühnel überlässt ihnen also das Feld, und das ist gut so, denn wenn er Hand anlegt, ist das in einer klamaukhaften Gestelztheit allzu sichtbar. Krautz als Frau am Zerreißen, die den Schnaps in sich hineingießt, bis er bei den Augen wieder herausläuft, ist allerdings allein Grund genug, sich diese Aufführung nicht entgehen zu lassen.

Schauspielhaus, wieder am 23., 28. u. 31.1., 19.30


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