Kommentar

Sollen wir nun Schwangeren das Rauchen verbieten? Hmmm?

Rauchen und Liberalismus

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Als Staatsmann Robert Schuman einst die EU als Utopie erdachte, da konnte er nicht ahnen, dass seine Vision nicht nur ein freies Europa garantiert, sondern auch das Rauchverbot beim Villacher Fasching.

Jetzt ist es so weit, auch in unseren Beisln wird dank EU-Bürokratie weniger geraucht, bald schon bei Energiesparlicht. Österreich hat sich - anders als Rom oder London - glücklicherweise auf eine liberale Lösung geeinigt. Die meisten Lokale müssen Nichtraucherzonen einrichten. Raucher werden aber nicht von Staats wegen auf totalen Entzug gesetzt, sondern nur, wenn der Wirt das will.

Der kritische Blick des Autors dieser Zeilen (Exraucher) zeigt: Das funktioniert ganz gut. Der Staat gängelt nicht, sondern schafft Gasträume, in denen alle frei atmen und frei entscheiden könnten.

Der Nichtraucherlobby (siehe Seite 36) reicht das wieder nicht. Sie ruft nach einem Totalverbot, vernadert und zeigt an. Es geht ihr ja nicht darum, vor Qualm geschützt zu werden, sie will bekehren und belehren. In der EU-Bürokratie - die uns nun sogar die Glühbirnen rausschraubt - hat diese Achse des Reinen ihren Verbündeten.

Unsere liberale Gesellschaft verwandelt sich derweil in den puritanischen Fürsorgestaat. Beispiele? In London darf auf manchen Gehsteigen nicht mehr geraucht werden, in den USA sind Aschenbecher in Büros kriminell, sogar in den Slums von Kerala ist Rauchen auf der Straße verboten. All das ist kein "Nichtraucherschutz" mehr (den gebe es etwa, wenn man Schwangeren das Rauchen verbieten würde - eine Idee, die seltsamerweise kein Politiker auszusprechen wagt), sondern eine verordnete Lebensweise. Genau das steht dem modernen Staat aber nicht zu.


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