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Bücher, kurz besprochen

Politik | Robert Misik | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Viel Schuld, keine Sühne

Sie würden gerne verstehen, wie das globale Finanzsystem an den Rand des Kollapses gebracht wurde? Dann sollten Sie "Die Subprime-Krise und ihre Folgen" des Wiener Wirtschaftsjournalisten Rainer Sommer lesen. Dieses Buch, im Verlag des Onlinemagazins Telepolis erschienen, sticht unter der Vielzahl der mittlerweile erschienenen Publikationen heraus. Es erklärt, wie Hedge-Fonds funktionieren, was sie von Private-Equity-Fonds unterscheidet und wie das genau lief mit der Verbriefung von Krediten und dem Verkauf derselben um die halbe Welt. Es ist detailreich, vermeidet aber dennoch so weit als möglich den hermetischen Kauderwelsch der Börseninsider, und erklärt, wo nötig, auch Grundsätzliches, sodass der interessierte Laie folgen kann. Etwa: Wie können Notenbanken Währungen abwerten oder stützen? Was ist der Nutzen dynamischer Finanzmärkte, aber was lief in den vergangenen 20 Jahren falsch? Sommer kennt sich aus: So erklärt er, dass die Bank Lehman Brothers unterging, weil sie sich noch relativ verantwortungsbewusst verhielt, während das Investmenthaus Bear Stearns gerettet werden musste, weil es seine Risikopositionen so verteilte, dass ein Kollaps maximalen Schaden angerichtet hätte. Wer so viele Schulden hat, dass sein Untergang die ganze Welt ins Loch ziehen würde, dem kann eigentlich nichts mehr geschehen. Für den springt der Staat ein. Sommer weiß: Regeln müssen her. Aber ihm ist auch bewusst, dass gerade im Finanzsystem gilt, "dass auch die schärfsten Regeln nicht viel helfen, wenn es sich so richtig auszahlt, sie nicht zu beachten".

Rainer Sommer: Die Subprime-Krise und ihre Folgen. Heise, 224 S., € 19,60


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