Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Martin Gantner | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Darf "Heute" Werbeflächen in den U-Bahnen vermieten?

Geht das? Ein privates Unternehmen (die U-Bahn-Zeitung Heute), das Werbeflächen (Entnahmeboxen) im öffentlichen Raum (U-Bahn-Stationen) an andere Firmen vermietet? Ja, und zwar seit Erscheinen der Zeitung im September 2004. Die Wiener Linien stoßen sich nicht daran, dass jemand anderer als sie selbst in den Stationen Werbung schaltet. Im Gegenteil: "Das ist vertraglich so vereinbart", versichert deren Sprecher Johann Ehrengruber. Die Gratiszeitung zahle Standortmiete, wie hoch diese ist, möchte er nicht sagen.

Das aktuelle Sujet auf den Boxen: Das Casino Admiral Prater des Unternehmens Novomatic, seines Zeichens Weltmarktführer in der Glücksspielautomaterie, dessen Chef, Johann Graf vom Wirtschaftsmagazin trend, soeben zum Mann des Jahres gewählt wurde und in dessen Vorstand und Aufsichtsrat Politiker saßen (VP-Minister Johannes Hahn) und noch immer sitzen (Ex-SP-Minister Karl Schlögl). Jenes Unternehmen also, von dem Experten behaupten, dass es von der letzten großen Koalition mit der Novellierung des Glücksspielgesetzes privilegiert worden sei.

Doch zurück zu Heute und zur Casino-Werbung. Letztere wird bis Ende Jänner auf knapp 400 Entnahmeboxen an 120 Standorten der Wiener Linien beworben. Weitere 380 dieser großen Boxen - daneben gibt's noch werbefreie kleine Varianten - sind auf ganz Wien verteilt. "Die Werbefläche kostet 19.000 Euro für einen Monat, 36.000 Euro für drei Monate", sagt Heute-Pressesprecherin Claudia Kraif. Auf dieser "Big Info", wie die Werbefläche genannt wird, könne jeder werben, und viele hätten dies vor Novomatic auch getan. "Zu unseren Kunden zählten L'Oréal, die Telekom, Raiffeisen und UPC." Die Agentur, die Novomatic betreut, ist übrigens die Wiener PR-Agentur CID.


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