Die Wirklichkeit in Zeiten des Handy

Feuilleton | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Daniel Kehlmann treibt in seinem jüngsten Roman "Ruhm" ein virtuoses Spiel mit Realität und Fiktion

Buchkritik: Sigrid Löffler

Der dünne Mann mit den fettigen Haaren, der Hornbrille und der grellroten Schirmmütze, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht, sich als Taxifahrer ausgibt, Daniel Kehlmanns Romanfiguren zum Einsteigen nötigt und sie irgendwohin kutschiert, wohin sie nicht sollen - was ist das für ein Kerl?

Der Autor beteuert, er habe keine Ahnung, wer das sei, wer ihn erfunden habe "und wie er in meine Geschichte kommt". Also bitte keine wohlfeilen, naseweisen Deutungen (der Zufall?, die verkörperte Unwahrscheinlichkeit innerhalb der Wahrscheinlichkeitsmathematik von Kehlmanns Poetik?, der Gott der Erzählung?, dessen Widersacher?). Lassen wir das vorläufig auf sich beruhen.

Entscheidend ist, dass der Kerl seinen Fahrgast durch den Rückspiegel anstarrt und verkündet: "Sie fragen sich, warum so vieles nicht geht, lieber Herr? Weil ein Mensch vieles sein will. Er will viel


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