Nüchtern betrachtet

Mein Vorsatz für das neue Jahr

Feuilleton | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Selbstkritik ist wichtig, aber man kann es damit - wie im Kommunismus, der generell jedes Gespür für Maß und Ziel vermissen ließ - auch übertreiben. Oft erweisen sich außerdem gerade die größten Arschgeigen als wahre Virtuosen in dieser Disziplin. In Nanni Morettis wunderbarem und von meiner sauberen Frau Tochter sehr zu Unrecht als "langweilig" apostrophiertem (weil ein Jahr vor deren Geburt herausgekommen) Film "Caro diario" tritt ein larmoyanter Linker auf und schlägt sich sehr vernehmlich gegen die reuig dröhnende Brust: Alles hätten sie falsch gemacht! Worauf der Dir/actor* antwortet: Er selbst hätte gar nix falsch gemacht und sei, ganz im Gegenteil, ein wunderbarer 40-Jähriger.

Das ist gut gegeben und die Ausschlagung wohlfeiler Selbstgeißelungsangebote überhaupt ein viel zu selten anzutreffender Nachweis wahrer Herzensbildung. Wer was falsch gemacht hat, soll sich in aller Stille schämen und bessern, aber nicht auch noch eine renegatenhafte Reueshow abziehen, was -


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