Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 03/09 vom 14.01.2009

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

Wer hat an der Uhr gedreht?

Graz könne doch Welthaupt-"Stadt der Zeit" werden, fand Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) zum Jahreswechsel. Schließlich sei man mit dem Uhrturm bestens qualifiziert und das Thema Zeit werde in Krisenzeiten immer wichtiger. Ein Uhrenpark am Schloßberg und ein "Institut für Zeit" schwebten Nagl vor. Was dort genau erforscht werden soll, ließ er offen. Ebenso offen blieb, was das Thema Zeit den vielen Grazern bringen soll, die um ihre Jobs zittern, oder den Zeitarbeitern, die bereits gekündigt wurden. Immerhin könnten sie in ihrer nun reichlich vorhandenen Freizeit durch den Uhrenpark spazieren.

Während die Grazer schon bald in einer "Stadt der Zeit" leben, scheint selbige für die ÖVP stehen geblieben. Diese Woche lädt das Europäische Freiheitsinstitut unter VP-Gemeinderätin Sissi Potzinger anlässlich des Todestages von VP-Nationalrat Vincenz Liechtenstein zu einem "Konservativen Kongress" mit prominenten Rednern: "Erzherzog" Karl von Habsburg-Lothringen (der mit der Gameshow) hält laut Einladung die Eröffnungsrede, eine "Gedenkschrift Seine Durchlaucht Prinz Dr. Vincenz von und zu Liechtenstein" wird präsentiert - klingt eher monarchistisch als konservativ, die Adelstitel wurden in Österreich vor neunzig Jahren abgeschafft. Nagl kümmert's nicht, zumindest darf er noch vor dem Erzherzog sprechen. Am Abend lädt Vize-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (VP), der heuer den 150. Todestag Erzherzog Johanns begeht, zum Empfang.

Auf dem Kongress spricht übrigens der italienische Politiker Rocco Buttiglione, der 2004 Homosexualität als Sünde bezeichnete. Man sollte meinen, die Zeit für solche Ansichten sei auch in der ÖVP endlich abgelaufen.


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