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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Das Jahr ist noch jung, und schon gibt es eine Heldenhausse. Oder sagen wir so: Es gibt Helden, denen man schwer gerecht wird, weil sie so selbstverständlich Helden sind und das eh jeder weiß. Und die heißen dann zum Beispiel auch noch Chesley Sullenberger. Klar, mit einem dermaßen coolen Namen ist es schwer, kein Held zu sein - wiewohl unsereiner das vermutlich auch noch zustandegebracht hätte.

"Chesley Sullenberger ist der Hero der Woche", sagt Barbara Tóth. Aber ihre Kolleginnen und Kollegen machen abwiegelnde Brummgeräusche, die besagen: Chesley Sullenberger gehört weder der ÖVP noch der SPÖ, weder dem ÖGB noch der Industriellenvereinigung an, der passt nicht zu unserem Politikverständnis. Kleingeistiger Provinzialismus und Ressortdünkel haben verhindert, dass Chesley Sullenberger "Hero der Woche" wurde. "Chesley Sullenberger ist GUT", meint Wolfgang Kralicek. Aber sein Kollege macht ein abwiegelndes Brummgeräusch, das besagt: Gut ist längst gebongt, wir werfen jetzt nicht die ganze Kulturseitenaufmacherseitenkopfleiste über den Haufen. Kleingeistiger Ressortpragmatismus hat verhindert, dass Chesley Sullenberger "GUT" geworden ist.

Chesley Sullenberger kratzt das natürlich null. Er streicht sich über den linken Flügel seines Schnurrbarts, trinkt einen Kaffee und ruft seine Frau an. Es hat etwas länger gedauert, aber er kommt jetzt nach Hause. So wie ich - bloß cool.


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