Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Herr Zemsky, wäre die Donau zum Notlanden breit genug?

Er ist der Held dieser Tage: Der US-Pilot Chesley Sullenberger, der den Airbus A 320 mit der Flugnummer US Air 1549 auf dem Hudson River in New York notwasserte. Wo wäre er in Wien runtergegangen? Johann Zemsky, einer der beiden Chefs der Austrocontrol, weiß die Antwort.

Herr Zemsky, wäre die Donau breit genug zum Notlanden?

Von der Breite wäre das in Erwägung zu ziehen, wenn auch der Hudson wesentlich breiter ist. Aber der Punkt ist nicht die Breite, sondern die Hindernisfreiheit. Im Bereich Wien haben wir sehr viele Brücken, nicht nur für Autos und Fußgänger, sondern auch für Pipelines, mindestens alle zwei, drei Kilometer. Südlich von Wien schaut es besser aus. Der Pilot braucht ein gerades Stück, das zwei, drei Kilometer lang ist, um die Maschine im Gleitflug hinzumanövrieren. Denkbar ist es also grundsätzlich.

Ist der Neusiedler See eine Alternative? Er hat 320 Quadratkilometer, ohne Brücken, nur ist er eben nicht sehr tief.

Die Tiefe muss nicht ausschlaggebend sein. Wie wir in New York gesehen haben, kann man die Maschine mit dem Hinterteil aufsetzen und sie dadurch so weit abbremsen, dass sie am Ende regelrecht ins Wasser hineinplumpst.

Der schlammige Untergrund spielt da keine Rolle?

So viel Zeit zum Entscheiden bleibt nicht, ein Feld oder Acker tut es auch. Etwa im Marchfeld. Vor zwei Jahren musste die AUA in München notlanden und legte die Maschine auf einem schneebedeckten Feld auf den Bauch.

In Wien ist so eine Notlandung aber noch nie passiert?

Nein, wir hatten nur normale Rücklandungen, wegen technischer Probleme.

Wie schnell wären Rettungsmannschaften vor Ort?

Die Flugsicherung hält laufend Funkkontakt. Wenn der abbricht, lösen wir sofort den Alarmdienst aus. Die Fähren in New York sind ja auch nicht extra hingefahren, sondern waren im Rahmen des regulären Fährendienstes dort. Interview: B. Tóth


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