Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Die besten Feuchtgebiete der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Schwer verstopft und dauernd geil

Geil. Kurz nach seinem tragikomischen Meisterwerk "Die Zunge Europas" schiebt Heinz Strunk schon wieder einen neuen Roman nach. Das G-Wort kommt ziemlich oft vor, handelt es sich doch um einen Report aus dem hormonellen Dauerrausch der Pubertät ("Auch schon wieder geil irgendwie. Eigentlich ist alles irgendwie geil") und obendrein um eine Persiflage auf Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Nicht genug, dass der Held seinem Rektum viel Zeit widmet, auch das Buchcover ist jenem der Kollegin, mit der gemeinsam Strunk schon aus dem Buch "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" gelesen hat, zum Verwechseln ähnlich.

Thorsten Bruhn - 16, kleinwüchsig, Spätzünder - wird im Sommer 1977 für zwei Wochen in die evangelische Familienfreizeit an die Ostsee verschickt und gerät auf diese Weise in eine problematisch zusammengewürfelte Gemeinschaft aus Kirchenleuten, älteren Ehepaaren und überdrehten Jugendlichen. Man absolviert kindische Gesellschaftsspiele, isst Graubrot und hält sich bei "We Shall Overcome" an den Händen.

Dummerweise hat Thorsten, der ohnehin schon unter prekärem Stuhlgang laboriert, es bald mit einer wirklich üblen Verstopfung zu tun. Bis zum erlösenden Schiss muss er auch sonst so einiges mitmachen: Nach einem Ausraster beim Völkerball ist er das Arschloch der Gruppe, später kommt noch ein böser Apfelkornrausch dazu.

"Die Glocken von Susanne Bohne" bimmeln da in weiter Ferne. Um nicht völlig verrückt zu werden, hilft nur Wichsen plus penibelste Analhygiene: "Ich möchte bis ins hohe Alter meine schöne Rosette in absolutem Topzustand erhalten."

Wo Roche auf Schockwirkung setzte, ist bei Strunk Dauerkichern angesagt. Darüber hinaus ist er der ungleich bessere Erzähler, geradezu unheimlich sicher im Setzen von Pointen - genauso wie im gezielten Versemmeln selbiger. Geil. So was hätte man als 16-Jähriger gebraucht.


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