Warzenschweinschädel und Narwalzahn

Feuilleton | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Die Kunstkammer im Kunsthistorischen soll das Vorzeigeprojekt der neuen Direktorin Sabine Haag werden

Analyse: Matthias Dusini

Wie eine himmlische Erscheinung schwebt der jugendliche Reiter aus den Lüften herab. Sein vom Wind gebauschter Mantel und das entrückt wirkende Antlitz sind von stupender Genauigkeit, die kalligrafische Verschnörkelung trotz des kleinen Formats gewaltig. Wenn Sabine Haag, die neue Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), des Völkerkunde- und des Theatermuseums, über die Elfenbeinskulptur Matthias Steinls (1643-1727) spricht, verliert sie die wissenschaftliche Contenance: "Ein Weltwunder."

Auch den Laien begeistert das 70 Zentimeter hohe Saalmonument, 1693 zur Glorifizierung eines jungen Fürsten geschaffen, durch die handwerkliche Raffinesse und die virtuose Visualisierung der politischen Botschaft; nach dem Sieg über die Türken lief die Propaganda vom Gottesgnadentum der Habsburger auf Hochtouren.

Derzeit sucht der KHM-Besucher das barocke Meisterwerk


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