Phettbergs Predigtdienst

Die Wiener Freiheit gebar Frucade und Eierlikör

Kolumnen | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Am 21. Dezember 2008 feierte die Wiener Freiheit 20 Jahre Bestand. Diese Freiheit ist eng verbunden mit dem Naschmarkt. Die Wien gräbt sich durch sie ihr Bett. Und sogar wir waren 20 Jahre jünger damals. Alexander und Franky, ich erinnere mich, gruben sich dort ins Erdreich, wahrlich in ihre Höhlen der Lust hinunter. Wo du dich verbringst, ist deine Heimat.

Es war einmal ein viel längerer Schlauch, bilde ich mir ein, und dann war er wieder kürzer, der Schlauch an der Schönbrunner Straße 25. Tief in der Nacht und tief im Erdreich. Ja, die Wiener Freiheit ist nicht so leicht wie andere Freiheiten. Keine Zwangsneurose kann stabiler sein als unsere, Duhsub. Tief im Erdreich ruht sie, die Liebe.

Die Wiener Freiheit betreut mehrere Ressorts: oben Café und Bar - mit einer mir schon seit mindestens zehn Jahren bekannten Barfrau. Ich würde ihre Bekanntschaft gerne weiterpflegen, wenn ich nicht fortwährend schlafen müsste. Im Keller hat sie dann die Diskothek mit harter Musik, die Wiener Freiheit.

Ewald Penz liegt am Zentralfriedhof im Armengrab - siehe den Predigtdienst Nummer 565. Walter Ferner, der Ewald aus einem Heim im sechsten Bezirk aufklaubte, soff so viel - und doch konnte er Lastwagen mit den längsten Anhängern einparken. Mein Vata konnte nicht einmal Traktor fahren. Und Vata versuchte einmal, mir einen Zwickel aus dem gerade parat liegenden Großelternbett, in dem er gezeugt wurde, zu schnitzen. Es gehört in ein Museum der misslungensten Möbelstücke. Während Ewald Riesenlastautos mit Riesenanhängern rückwärts einparken konnte. Und immer Unmengen Rotwein soff, unter anderem in der Wiener Freiheit.

Es gab sehr wenig zu essen damals am Naschmarkt. Und tief in der Nacht und noch tiefer im Erdreich begann ich mit drei bis vier Pfefferminztee. Dann Eierlikör. Dann Essen und eben Frucade. Denn auf Alkohol krieg ich Sodbrennen. Schicksalsschläge für ein Bauernkind.

In der Wiener Freiheit, dort geschieht die wirkliche, wahre Integration. Während mein Vater aus seiner Eltern Ehebett mir einen Zwickel zu schnitzen versuchte, geschieht Integration wirklich.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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