Fragen Sie Frau Andrea

Trepho und Truilla und der Trip nach Trill

Kolumnen | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

woher kommt das schöne Wort "Tribstrü" für "out in the middle of

nowhere", so viel wie "Fuchs-und-Hase-Abend-Gruß-Platz"?

Liebe Grüße, Sylvia Garber, per Elektropost

Liebe Sylvia,

um eine Örtlichkeit äußerster Provinzialität zu bezeichnen, können wir aus einem reichhaltigen Menü an existierenden und erfundenen Namen wählen. In der norddeutschen Kleinstadt Buxtehude, idyllisch in den Elbmarschen gelegen, spielt das Märchen vom Hasen und vom schlauen Igel. Buxtehude ist auch der Ort, in dem einer Redensart zufolge "die Hunde mit dem Schwanz bellen".

Zwischen Scheibbs und Nebraska, etwas profaner ausgedrückt, am Arsch der Welt, liegt nach meinen Recherchen das Zentrum der österreichischen Provinz, das ebenso verschlafene wie erfundene Gigritzpatschen. In meinem Roman "Boboville" wiederum nenne ich sämtliche Provinznester der Alten und Neuen Welt uniform "Poughkeepsie". Einen Ort dieses Namens gibt es wirklich, er liegt nördlich von New York, am Hudson River. In der amerikanischen Populärkultur kommt ihm die Rolle von Gigritzpatschen und Buxtehude zu.

Komplizierter verhält es sich mit dem sagenhaften Örtchen Tribstrü bzw. Trippstrill. Es ist die Scherzantwort auf die nervige Frage "Wohin?". Sprachforscher wollen in der Destination die real existierenden Orte Treffentrill in Württemberg und Triptis in Thüringen ausgemacht haben. Treffentrill soll schon 278 n. Chr. von einem römischen Hauptmann Trepho und seiner Gattin Truilla gegründet worden sein und der Kristallisationskeim für den schrulligen Ortsnamen sein.

Die ältesten Erwähnungen des erdichteten Narrenorts, an dem "die alten Weiber jung gemahlen werden", stammen aus dem 15. Jahrhundert. Belege für die Rückständigkeit Trippstrills benennt der Mythos auch: "Trippstrill, wo die Gänse Haarbeutel tragen und die Enten Perücke." Entgegen allen literarischen und geografischen Funden scheint der Name Trippstrill aus dem Nordosten zu kommen. Drepsdrell hieß in Ostpreußen ein langsamer, einfältiger Mensch.

Ob der ursprünglich aus Buxtehude, Gigritzpatschen, Poughkeepsie oder Trippstrill stammt, wissen Fuchs und Hase. Ganz sicher aber der Igel.


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