Kritik

Geglückter Blickwechsel nach innen

Lexikon | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Am Beginn der Ausstellung "Wohnmodelle. Experiment und Alltag" im Künstlerhaus steht ein typisches österreichisches Wohnzimmer, das die Werbeagentur Jung von Matt für seine Mitarbeiter einrichten ließ. Die Werber sollen sich in dem recht geschmacklosen Setting auf die Konsumvorlieben ihres Zielpublikums einstimmen. Auf diesen deprimierenden - wenngleich originellen - Einstieg lassen die Kuratoren Oliver Elser und Michael Rieper in ihrer ambitionierten Ausstellung fast ein Dutzend internationale Wohnprojekte folgen, die echte Aufbruchsstimmung verströmen.

Das Augenmerk der Schau liegt dabei weniger auf den Architekten als auf der Sicht der Bewohner sowie auf dem sozialen Kontext und der Entstehung der Bauten. Große Kartonmodelle machen die Gestalt der Gebäude für den Betrachter nachvollziehbar; Diaprojektionen führen direkt hinein und erzählen die Geschichte jedes Baus anhand von Kommentaren. Auf diese Weise werden die Gebäude so plastisch, dass man sich das Wohnen darin sehr gut vorstellen kann. Spannend auch die unterschiedlichen Arten von Bauherren: Vom klassischen sozialen Wohnbau bis hin zur selbstinvestierenden Baugruppe oder zum einzelnen Eigentümer, der untervermietet, werden verschiedene Modelle vorgestellt. NS

Künstlerhaus, bis 22.2.


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