Retrospektive

Ein britischer Klassiker: Sir Carol Reed

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Hierzulande ist er als Regisseur von "Der dritte Mann" und des ein oder anderen Stoffs von Graham Greene bekannt, doch in Wahrheit steht er auf einer Stufe mit anderen Klassikern des britischen Kinos wie Anthony Asquith, Thorold Dickinson, Alexander Mackendrick, Basil Dearden: Carol Reed (1906-76), dem die Kinematografie seines Landes nach dem Zweiten Weltkrieg einen Gutteil ihrer Internationalität verdankte.

"Carol Reed wirkt wie ein solider Handwerker. Er affektiert keine, message', keine Mission. Er wehrt sich dagegen, mit der Kamera zu philosophieren. Dennoch ist er keineswegs ein kalter Geschäftsmann des Films, sondern ein Enthusiast und gibt dies auch zu", konstatiert Mitte der 50er-Jahre kein Geringerer als Jean Améry in einem Porträt über den Filmregisseur. "Ohne dass er es irgendwie darauf angelegt zu haben scheint, wurden seine Filme zu symptomatischen oder wenn man will: symbolischen Niederschlägen des Zeitklimas. Carol Reed ist für das Europa zwischen 1945 und 1955 nicht weniger typisch als Jean-Paul Sartre, die Science-Fiction und die populären Artikel über Atomkraft. Wer die Essenz seiner filmischen Arbeiten in wenige Worte destillieren will, gerät in Verlegenheit. René Clair: das ist Ironie und Lyrik. Jean Renoir: das ist Stimmung und Einfühlung. John Ford ist geballte Aktion, und Marcel Carné, soziale Phantastik'. Welche Chiffre aber kann man Carol Reed zuordnen? Erinnern wir uns an seine Filme, Odd Man Out',, The Third Man',, The Man Between' - und wir finden eine Devise. Sie heißt: Jagd auf Menschen."

Die laufende Retrospektive des Filmarchivs Austria bietet nun die seltene Gelegenheit, neben besagten Klassikern auch das weithin unbekannte Frühwerk von Sir Carol Reed kennenzulernen.

Metro Kino, bis 19.2.


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