Buch der Stunde

Lexikon | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Die verhaltene, beinahe raunende, aber immer überzeugend modulierte Stimme von Sylvester Groth katapultiert den Hörer tief in die bedrückende Welt des St. Petersburger Lumpenproletariats der 1860er-Jahre, aus der ein stolzer Kopf ragt: Rodion Raskolnikow, der Protagonist von Fjodor M. Dostojewskijs bekanntestem Roman "Schuld und Sühne", der in der entstaubten Übersetzung von Swetlana Geier seit 1994 "Verbrechen und Strafe" heißt. Der verarmte Studienabbrecher Raskolnikow versucht sich einzureden, dass für ihn als "außergewöhnlichen Menschen" andere Moralgesetze gelten als für den Rest der Welt; dass also etwa der Mord an einer alten Wucherin und Ausbeuterin, zumal, wenn man mit deren Geld Gutes tut, nicht verboten sein kann. Das perfekt durchgeplante und durch einen Zufall in Gang gesetzte Verbrechen, mit dem er seine Schwester vor dem Selbstverrat durch die Heirat mit einem älteren Mann bewahren will, gerät Raskolnikow allerdings zum Fiasko - denn er geht beileibe nicht so


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