Kunst Kritik

Die Früchte stiller Augenblicke

Lexikon | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 04/09 vom 21.01.2009

Der manieristische Maler und Kunstgelehrte Federico Zuccaro (1542-1609) unterschied erstmals die einem Bild zugrundeliegende Idee (disegno interno) von deren Ausführung (disegno esterno). Womit der künstlerische Werkprozess begrifflich gegen das Kunstwerk und die innere Vorstellungswelt des Künstlers gegen das Erscheinungsbild abgesichert waren.

Dementsprechend könnten die Zeichnungen, die der junge Grazer Künstler Niko Heufler von seinen Wanderungen am Schloßberg oder rund um Mixnitz mit nachhause bringt und nun in seiner - als Kooperation von KHG Galerie und Akademie Graz entstandenen - Ausstellung "Baum zu Fels" präsentiert, so schüchtern sie sich auch ihrem Motiv gegenüber verhalten, so zart sie es in meist vereinzelten Strichlagen aufs Papier bannen, dennoch Ausdruck eines Kampfes inwendiger Stimmungslagen mit Naturvorgaben sein. Die niemals "fertig" wirkenden Arbeiten meinen, so gesehen, immer auch sich selbst oder den, der sie hervorbringt.

Und die in zärtlich aufs Papier gehauchten Grafitspuren, manchmal aber auch in expressiv zupackenden Bleistifthieben oder in mehr ins Detail versessenen, dennoch fließenden Tuschelinien festgehaltenen Motive wirken niemals fertig. Als könnten die Bäume, so luftdurchlässig leicht sie festgehalten sind, noch weiterwachsen, als lösten sich die Felsen wieder auf. "Wenn ich einen Baum zeichne", meint Niko Heufler, "dann bringe ich Linien hervor, die im Baum ruhend darauf warten, in stillen Augenblicken gleichsam austreiben zu können, und somit seine Gestalt entfalten." Wenn Niko Heufler einen Baum gezeichnet hat, dann ist Meditation gefragt.

Katholische Hochschulgemeinde, bis 27.2.


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