Neu im Kino

„Lulu und Jimi“, ein Albtraum in Pastell

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Liebe ist eine Himmelsmacht. Ein kurzer Blick, eine freundliche Geste genügen, schon hat Lulu sich beim Autodromfahren in Jimi, der am Rummelplatz aushilft, verliebt. Sie ist unschuldige 19, er der Sohn eines schwarzen GIs und bei Frauen sehr beliebt. Eine solche Beziehung darf nicht sein in Wirtschaftswunderdeutschland, das nach mehr als nur latentem Rassismus mieft. Fortan befinden die Liebenden sich auf der Flucht.

„Lulu und Jimi“ von Oskar Roehler, spielt 1959, im Geburtsjahr des Regisseurs, der sich mit „Die Unberührbare“ einen Namen und mit „Elementarteilchen“ einen Namen als „Provokateur des deutschen Films“ gemacht hat. „Alles war irgendwie ‚groß’“, so Roehler über seine Faszination für die Fifties: „die Musik, die Leidenschaften, die Liebe! Eine Ära der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.“

Hat sich was! Lulu, so will es ihre schreckliche Mutter, soll den Fabrikantensohn Ernst heiraten, vor allem dessen Geld. Sein bürgerliches Glücksversprechen klingt wie eine gefährliche Drohung: „Heirate mich,“ sagt er im Ernst, „dann wirst du die glücklichste Frau in ganz Schweinfurt sein“. Nichts gegen Schweinfurt, aber: Das ist der beste Satz im ganzen Film. Alles weitere – sei’s nun der allzu dämonische Arzt, der einst schon Lulus Vater zur Selbstkastration trieb, oder der Lulus Mutter allzu ergebene Chauffeur – wird derart überzeichnet, dass es auf Dauer weder besonders witzig noch scharf ist. Nichts stumpft so rasch ab wie Satire.

Derweil zitiert sich Roehler amüsiert durch fünfzig und mehr Jahre internationaler Filmgeschichte. Ein tragisches Missverständnis freilich: In den Melodramen à la Sirk ist die Liebe eine bluternste Angelegenheit (und deshalb, manchmal, so zum Lachen), bei Roehler ist sie nur ein Witz. Und leider kein wirklich guter.

Ab Fr in den Kinos


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