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„Das Rückgrat des Teufels“ von Guillermo del Toro

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Sein Kino reibt sich an der Dualität wie an der Durchlässigkeit unterschiedlicher Sphären: Realität und Fantasie sind in seinen Fabeln kunstfertig verschränkt, das Monströse und das Menschliche für ihn nicht eindeutig trennbare Kategorien. Nicht von ungefähr spielen Schwellen eine zentrale Rolle im filmischen Universum des Mexikaners Guillermo del Toro. In den magischen Passagen, die seine Filme beschreiben, sind sie Grenzlinien, deren Überschreitung unausweichlich und gleichermaßen mit Neugierde, Angst und Schuld belegt ist.

Das Gewölbe im Waisenhaus aus „Das Rückgrat des Teufels“ (Originaltitel: „El Espinazo del Diablo“) ist eine solche Schwelle, an der die Jungen einem untoten Kameraden begegnen, der auf rätselhafte Weise ums Leben kam und nun unerlöst zwischen den Welten weiterwesen muss. Der melancholische Geisterfilm von 2001 ist ein Pendant zu del Toros späterem Welterfolg „Pans Labyrinth“ (seine Filme scheinen stets aufeinander zu antworten, wie in einem fortgesetzten Dialog über das Motiv des Andersseins): Beide erschließen sich die Epoche des Spanischen Bürgerkriegs im Mikrokosmos eines abgeschiedenen Ortes und aus der Perspektive von Kindern.

Die Heimsuchungen des Franco-Faschismus schildert er mit hintergründiger Naivität als den Verlust der Unschuld. Die Katharsis steht unter dem doppelten Vorzeichen des Fantastischen und des Realen. Von der Schönheit des Grotesken, der Vertrautheit mit dem Übernatürlichen weiß del Toro mit einer Empfindsamkeit zu erzählen, wie sie sonst nur Tim Burton und den Meistern des japanischen Geisterfilms zu Gebote steht. Der Schrecken, den die Lebenden auslösen, ist bei ihm stets größer.

Premiere im Österreichischen Filmmuseum, Fr 20.30 (OmenglU)


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