Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Warum wirbt Puntigamer-Bier mit prallen Brüsten?

Es mag auch feinsinnige Biertrinker geben, das Sujet von Puntigamer richtet sich aber eher an die bodenständigere Fraktion. „Darf’s a bisserl mehr sein?“ lautet der Slogan. Dazu sieht man drei weizengelbe Bierkrügerln und ein pralles Dekolleté – welches davon den „Mehrwert“ darstellt, ist unschwer zu erraten. Und damit es auch alle verstehen, steht rechts im Eck der Puntigamer-Lockruf: „Lustig samma!“

Gar nicht lustig, sondern sexistisch fand diese Darstellung die steirische SPÖ-Frauensprecherin Martina Schröck, und aus diesem Grund legte sie Beschwerde beim österreichischen Werberat ein.

Man mag das humorlos finden, man kann sich über eine Werbelinie wundern, die sich so offensichtlich nicht an Frauen richtet, obwohl die auch gerne Bier trinken. Peinlich fürs Unternehmen – immerhin die Brau Union Österreich AG, zu der die Marke Puntigamer gehört – wird es allerdings, wenn das Plakat auf der Firmenhomepage ausgerechnet unter dem Namen „Wallpaper Titten“ runterzuladen ist.

Da lässt sich dann nicht mehr so leicht argumentieren, dass Puntigamer eine „steirische Marke“ sei, die für „Geselligkeit“ und „gute Stimmung“ steht und „diese Werte auf humorvolle Art und sympathische Weise kommunizieren“ möchte, wie die Pressestelle der Brau Union beeilte festzustellen. „Ein Programmierer hat das so benannt, wir haben es leider übersehen“, ärgert sich auch Markus Führer von der betreuenden Werbeagentur McCann Erickson. „Wenn so ein Lapsus passiert, geht das gleich in die falsche Richtung. Puntigamer gehört eben nicht zur hippen, straighten Heineken-Welt, wir befinden uns in geerdeteren Gefilden.“ Immerhin, Puntigamer reagierte schnell: Das Plakat ist von der Homepage gelöscht, das Sujet wird nicht mehr verwendet.


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