„Woher nehmen die Menschen die Kraft?“

Feuilleton | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Der amerikanische Schriftsteller Stewart O’Nan erklärt, wie und warum er Romane schreibt

Interview: Reinhard Helling

Unter den US-Schriftstellern seiner Generation, Kollegen wie Jonathan Franzen, Jeffrey Eugenides oder Rick Moody, ist Stewart O’Nan vielleicht nicht der Berühmteste, auf jeden Fall aber der Fleißigste. In seinem neuen Roman „Alle, alle lieben dich“ (dem elften Buch in deutscher Übersetzung) erzählt er vom Albtraum aller Eltern: Spurlos verschwindet die 18-jährige Kim Larsen aus der Kleinstadt Kingsville – und nichts ist dort mehr wie vorher.

Falter: Haben Sie mit der Wahl des Themas Ihrer Frau Trudy und den Kindern Caitlin und Stephen nicht einen ziemlichen Schrecken eingejagt?

Stewart O’Nan: Es war eher anders herum: Während ich den Roman schrieb, hatten wir zwei Wochen lang keinen Kontakt zu unserer Tochter. Wir versuchten sie anzurufen, aber ihre Mailbox war voll, und sie antwortete nicht auf E-Mails. Von Freunden erfuhren wir, dass sie Verabredungen hat

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