Ein Gesang für die Vermissten

Feuilleton | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Mit „Alle, alle lieben dich“ setzt Stewart O’Nan seine Besichtigung der Gemeinschaft nach der Katastrophe fort

Würdigung: Klaus Nüchtern

Unter den Kollegen in seiner Liga (und das sind nicht viele) ist Stewart O’Nan vielleicht der amerikanischste. Diese Vermutung drängt sich jedenfalls auf, wenn man das Schicksal der deutschen Übersetzungen betrachtet: „A Prayer for the Dying“ (1999) mutierte zu „Das Glück der anderen“; „Songs for the Missing“ (2008) ist nun unter dem Titel „Alle, alle lieben dich“ auf den Markt gekommen, und „The Names of the Dead“ (1996) ist nach wie vor unübersetzt. Ja selbst O’Nans Opus magnum, der denkbar schlicht betitelte Familienroman „Wish You Were Here“ (2002), erfährt eine Entpersonalisierung, die durch Exotismus kompensiert wird: „Abschied von Chautauqua“.

Alles, was mit Sterben und Verlust zu tun hat, wurde getilgt. Oder sollten es die religiösen Anklänge, die „Gebete“ und „Gesänge“ sein, die dem Rowohlt


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