Die Kunstkarawane macht Halt in Kairo

Feuilleton | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Biennalen und Documentas bringen ihre eigene Kunst hervor. Aber was will die? Und wer braucht sie?

Reportage: Matthias Dusini / Kairo

Der Himmel über Kairo ist trübe vom Smog, die Luft noch warm in der Abenddämmerung. In ein paar Tagen wird Weihnachten sein; daran erinnern hier nur ein paar Lichterketten an den Grandhotels. Die ägyptische Künstlerin Lara Baladi sitzt in ihrem „Turm der Hoffnung“ auf dem Gelände der 11. Kairo-Biennale, einem Kulturareal auf der Nilinsel im Zentrum der Metropole. Sie lächelt, nimmt Glückwünsche entgegen; eben hat sie den ersten Preis gewonnen.

Von außen sieht ihr Werk aus wie einer jener zahllosen, unverputzten Beton-Ziegel-Bauten, in denen Millionen Kairoer wohnen; es sind kaum mehr als vertikale Favelas. Der Ziegellehm wird aus dem fruchtbaren Überschwemmungsgebiet des Nils geschöpft, wo nun Trabantenstädte die Weiden und Haine zerstören. Aus Boxen erklingt eine Komposition, die das Zwitschern von Vögeln und das Rascheln von Pflanzen imitiert.


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