Ein Meister aus Deutschland

Feuilleton | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Mit Gerhard Richter kommt der einflussreichste Maler der Gegenwart nach Wien

Text: Nicole Scheyerer

Auf den ersten Blick ein geschmackloses Bild. Eine junge Frau mit mürrischem Gesichtsausdruck kniet nackt auf allen vieren und greift mit einer Hand nach ihrem Hängebusen. Für dieses Gemälde diente aber kein Pornosujet als Vorlage. Gerhard Richters Porträt „Brigid Polk“ zeigt ein Mitglied von Andy Warhols Factory bei der Herstellung von Kunst. Für ihre „tit paintings“ schmierte sich Polk öffentlich Farbe auf ihre Brüste und presste sie nass auf die Leinwand. Schon dem Maler Yves Klein war es 1960 eingefallen, blau eingestrichene Nacktmodelle über Papierbahnen robben zu lassen. Zeitgleich sorgten auf der anderen Seite des Atlantiks Warhols Siebdrucke für eine nachhaltige Verwässerung des Begriffs „Malerei“.

Die barbusige Brigid Polk hängt in der Wiener Retrospektive zu Gerhard Richter. Seltsamerweise ziehen unter Polks Brüsten Wolken vorüber. Es handelt sich um eine


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