Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Die ganze Stadt ein einziges Kugelparadies!

Beim Beklettern des Handlaufs einer Rolltreppe am Westbahnhof stürzte vor ein paar Wochen ein Zehnjähriger 15 Meter in einen Lichtschacht und erlitt tödliche Kopfverletzungen. Das ist tragisch. Und bedauerlich. Weil es an der Stelle schon einmal zu einem Sturz kam, installierten die Wiener Linien eine provisorische Absperrung; demnächst soll der Schacht mit einer Glasscheibe gesichert werden. Wie wird das weitergehen? Machen wir die Stadt doch deppensicher! Vergittern wir alle Fenster und erhöhen sämtliche Geländer, damit sich nicht irgendjemand zu weit hinauslehnen kann. Füllen wir Straßen und öffentliche Plätze mit bunten Plastikkugeln wie im Ikea-Kinderparadies – falls jemand fällt. Lasst uns Hausfassaden polstern, weich wie Gummizellen, damit sich keiner wehtut, der dagegenrennt.

Sie finden das abwegig? Auf der Londoner Brick Lane ließ ein Telefonanbieter vergangenes Jahr weiche Matten an Laternenmasten anbringen – damit sich Passanten beim Verfassen von Handytextnachrichten nicht verletzen.


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