Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Lauf, Hasenfuß, lau

Klar, dass sie nun – Schulter an Schulter, damit da kein Löschblatt dazwischenpasst – wieder ausrücken. Die Kämpfer für demokratische Werte, die unerschrockenen Verteidiger der Meinungsfreiheit, die sich immer dann ihrer „freiheitlichen Gesinnung“ entsinnen, wenn es eng wird. Wenn einer der ihren wieder einmal im dunklen Tann beim Nachspielen der Varusschlacht – oder wer weiß, was sonst – ertappt wird, beim dreideutigen Bestellen schäumender Erfrischungsgetränke oder beim anspielungsreichen Führen rechter Reden.

FPÖ-General Herbert Kickl konnte daher gar nicht anders, als nach der (nicht rechtskräftigen) Verurteilung der Grazer Ex-Stadträtin Susanne Winter wegen Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren seinerseits in gleichsam Pawlow’schem Reflex die „Hetzjagd“ zu beklagen, der Freiheitliche, die bloß Zivilcourage zeigten, wie „Freiwild“ ausgesetzt seien. Aus Hasspredigt wird Hasenjagd – so einfach geht das in der wilden Welt freiheitlichen Doppelsprechs.

Auch Winters Erben in Graz üben sich schon fleißig darin. Armin Sippel etwa, Bunkerbub und FPÖ-Klubobmann (siehe S. 46), verwies darauf, dass man sich „ausreichend“ von Winters „überspitzten Aussagen“ distanziert habe, sich aber künftig „dennoch nicht einschüchtern lasse“. Ein Hase mit Mumm! Oder Stadtrat Mario Eustacchio, der gerne den seriösen Banker gibt und der es nun für „äußerst bedenklich“ hält, den öffentlichen Diskurs „in steter Begleitung des Strafrichters“ abzuhalten. Der Mann möge sich erinnern, wie schnell die FPÖ mit Klagsdrohungen zur Hand sein kann, wenn ihr am öffentlichen Diskurs was nicht passt. Ist das die Zivilcourage, die sie meinen?


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