Phettbergs Predigtdienst

Die Twittin und Ö2: Eigenbrötlers Löcher

Kolumnen | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

In die Ideologie des Kollektivismus bin ich am wenigsten zugelassen! Nie vorgelassen in sie worden. Kein Zutritt für mich. Ich musste immer mit meiner Unternalber Volksschulbildung das Auslangen finden. 1957 trat ich ein und fremdelte immer. Irgendwo wär ich gern einmal dabei, aber mein Körpergeruch sagt den geruchsbegabten Türstehys: „STOPP!“ Es gelang mir nie, irgendwo warm zu werden. Mich fröstelt unentwegt. Klopfe an, doch ich find keinen Eintritt. Mode wurde ich nie. Kurz täuschte sich wer, doch Verirrte wurden korrigiert oder abgestraft. Ich aber wurde einfach vergessen. Ich bin die Karteileiche schlechthin.

Heute beobachte ich, dass Ö2, also die regionalen österreichischen Sender, um zehn Uhr die katholische Messe im Sendegebiet Wien nicht ausstrahlen. Wer will um zehn schon Messe hören in Wien? Im privaten Radio Stephansdom dagegen hörst du um elf die Messe, die Kardinal Schönborn im Stephansdom zelebriert. Was willst du noch mehr? Die SPÖ, die Industrie, die Kronen Zeitung und die Kirche sind die vier großen österreichischen Blöcke. Bist du nirgendwo, zumindest klein winzig. Mit einem Zipfl zum Anhalten von den vieren nirgendwo gehalten, wirst du zermalmt.

Ich bin ich an meine eigene Grenze des Wahns gestoßen. Duhsub, du weißt, ich kann weder Englisch noch verstehe ich das Internet. Aber ich will neologistisch sein. Also: Es ist jetzt Mode zu twittern. Und der Twitter twittert, logisch, doch die Twittin? Was tun Frauen, die ebenfalls twittern? Ich will ja die Wortendung „-er“ auslöschen. Neologistisch. Also mailte ich, die Twittin so und so, meinte ich, hat das und das getwitt... ja was? g-e-t-w-i-t-t-e-r-t.

Ich stieß an meine Grenze und lebe trotzdem weiter. Phettberg schweigt. Ich muss mich erfangen. Ich steh an. Lesen Sie nur mein Berufszeugnis von der Raiffeisenbank aus dem Jahr 1973 – da wurde in typischer Art des Personalchefs ein Schreibfehler eingefädelt, damit die anderen Chefs wissen sich zu hüten. Jetzt begehen wir 2009 – und was soll Österreich mit der Schande Phettberg nur anfangen? Gottseidank sind die Lesys selbstunsicher und voller Ichschwäche. Und ich bin der Ichschwächste. So tarieren wir uns aus, Duhsub.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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