KunstKritik

Flieg Vogel, flieg!

Lexikon | aus FALTER 05/09 vom 28.01.2009

Texas, Phönix“, Titel der aktuellen Ausstellung bei Patrick Ebens-perger, meint weniger die amerikanische Stadt als solche, mehr die mythologischen Hintergründe ihres Namens. „Rinasce piu glorioso“: Die „Emblematischen Gemüths-Vergnügungen“ des 16. und 17. Jahrhunderts hatten sich variantenreich abgearbeitet am Vogel Phönix, der, wie die Antike überliefert, aus seiner Asche „neu in größerem Glanz“ ersteht. Und hatten mithin auch ein Sinnbild ihrer eigenen Zeit, der Renaissance, gefunden. Die Kunst selbst hatte sich damals ja als grunderneuerte verstanden. Und sie versteht sich gern auch heute so. Wenn es, wie bei Ebensperger, dabei um junge Positionen geht, manchmal zu Recht. Der Phönix wird dann Ausdruck einer Kreativität, die selbst noch aus dem Nichts zu schaffen weiß.

Am deutlichsten zeigt sich das bei Kalu Obasi, der mit Feuer und Farbe den ihm freundlicherweise zugedachten Ausweisungspapieren neue, ästhetische Wertmaßstäbe beizubringen weiß. Ulrike Köppinger arbeitet in und mit gerade jenem Medium, das sich scheinbar – ähnlich dem antiken Vogel – aus dem Nichts gebiert: Polaroids, in deren selbstabwickelnde Prozesse sie jedoch eingreift, um daraus poetische Verdichtung zu gewinnen. Lionel Favre befleißigt sich alter, längst überholter technischer Pläne, die er mit allerlei lustigen Szenen neu verlebendigt. Bruno Hoffmann malt uns Räume, die sich mit den Spuren ihrer Herstellung spannend auseinandersetzen und Jenni Tischler zeigt auf monochrom bedruckten, in freistehenden Holzrahmen hängenden Bahnen, wie Öl und Sonne farblich zueinanderfinden. Verhalten kommt Texas also doch vor. UT

Galerie Patrick Ebensperger, bis 28. 2.


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