Bilderstürmer und Weichzeichner

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Die Malerei von Gerhard Richter fasziniert durch ihre Vielseitigkeit

Es ist schon grimmig, wie Vico Torriani das Blut aus dem Mund rinnt. Umgeben von vier Fräuleins sabbert der Schlagerstar roten Saft in sein Punschglas. Brutale Schnitte ziehen sich über die Gesichter und Dekolletés von Torrianis lachenden Begleiterinnen: Ein spontanes oder ein geplantes Attentat des Malers Gerhard Richter? Auf alle Fälle konnte der berühmte Künstler sein von Messerstichen traktiertes Gemälde später nicht mehr ausstehen und hätte es zerstört, wären nicht seine Fans gewesen. Dank des Kunstsammlers Frieder Burda hängt „Party“ nun in der großen Richter-Retrospektive der Albertina und zeigt, wie viel Abscheu der 1961 aus der DDR geflüchtete Künstler vor der Unterhaltungskultur des westdeutschen Wirtschaftswunders empfand.

Den Zwängen des sozialistischen Realismus entkommen, wählte Richter anfangs bewusst banale Fotovorlagen für seine fast immer in Grautönen gehaltenen Arbeiten. Die sehenswerte

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