Kritik

Wohlpräpariertes Klavier: Händl-Konzert im Kasino

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Der Tiroler Autor Händl hatte am Burgtheater bisher kein Glück mit seinen Stücken. Der Inszenierung seines grotesken Thrillers „Dunkel lockende Welt“ ging kurz vor der Premiere (Ende 2006) der Regisseur abhanden; die Produktion verschwand nach wenigen Vorstellungen aus dem Spielplan. Voriges Jahr sollte das Auftragswerk „Sammlung Marianne Bosch“ uraufgeführt werden; diesmal scheiterte das Unterfangen am Autor selbst, der mit dem Stück, von dem man seither nichts mehr gehört hat, nicht fertig geworden ist. Überraschend glatt ging nun der dritte Versuch, Händl auf einer Burgtheaterbühne zur Aufführung zu bringen, vonstatten. Unter dem Titel „Die Glocken von Innsbruck läuten den Sonntag ein“ inszenierte/komponierte der Schweizer Musiker/Regisseur Ruedi Häusermann im Kasino ein „szenisches Konzert mit Texten von Händl Klaus“.

Der Untertitel umreißt einen Abend ziemlich präzise, bei dem es sich nur andeutungsweise um eine Theaterveranstaltung handelt. Ähnlich wie in Häusermanns Jelinek-Inszenierung „Über Tiere“ (Anfang 2007 im Kasino) muss sich die Literatur gegen eine Übermacht an Klavieren durchsetzen. Häusermann hat 20 kleine, eher spröde Stücke für „wohlpräpariertes Klavier“ komponiert, die von vier Pianisten einhändig gespielt werden. Dazwischen liest Händl einige der abgründig naiven Geschichten aus seinem Prosaband „Legenden“ (1994), und das macht er sehr gut. Das Szenische an diesem knapp zweistündigen Textkonzert besteht darin, dass der Autor, die vier Musiker und zwei beinahe textfreie Schauspieler permanent die Bühne umbauen; unter anderem wird ein Fluss aus Bodenplatten verlegt. Was die Musik, die Texte und die Szene verbindet, muss der Betrachter selbst entscheiden. Das kann man als Qualität auslegen. Etwas anstrengend ist es trotzdem.

Burgtheater-Kasino, Mi, 4.2., und Do, 5.2., 20.00 (nächste Vorstellungen 27. und 28.2.)


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