Kritiken

Uraufführung: explosives Familiendrama im Vestibül

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Seinen kunstvoll gesponnenen, surrealen Text „explodiert“ versteht Andreas Liebmann selbst nur als Anregung für einen Theaterabend. Er lässt Menschen explodieren, Körperteile miteinander sprechen und untergräbt ein mögliches Stück noch zusätzlich mit subversivem Humor. Das Stück, das Regisseurin Cornelia Rainer und ihre Schauspieler – allen voran Petra Morzé und Patrick O. Beck – im Vestibül des Burgtheaters aus dem Text gemacht haben, hat trotzdem Hand und Fuß. Die Bühne ist die Familienbaustelle, obwohl zu Beginn noch alles in Ordnung scheint. Das Musikerehepaar und die beiden Töchter unterhalten sich gut. Doch dann geht die Mutter auf Reisen, wird zum Sehnsuchtsobjekt vieler Männer, und die Liebesschwüre ihres Mannes daheim werden zu Floskeln. Er fährt nach Italien, um sich in einem Vulkan selbst zu finden: „Wir sind auf eine Metapher gestiegen“, sagt er – bevor auch er unblutig explodiert. Am Ende triumphieren die unheimlichen Clowns, die die Explosionen begleiten, und das Publikum.

Burgtheater, Vestibül, Di und Mi 19.30


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