Vernissage

Kunst für alle Sinne

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Ich male und zeichne nicht den ‚Gegenstand‘ Körper, sondern ich male Empfindungen vom Körper“, hat Maria Lassnig in der Vergangenheit ihre Bilder erklärt. Die große Personale „Das neunte Jahrzehnt“ gibt nun einen längst wieder fälligen Einblick in das neueste Werk der 90-jährigen Malerin, das sich gerade in der letzten Dekade als besonders farb- und ausdrucksstark erweist. Im Mittelpunkt von Lassnigs Kunst stehen „Körperempfindungen“, ihr Streben danach, Affekte und Sinneseindrücke in Malerei zu übersetzen. Dementsprechend nimmt das Selbstporträt einen speziellen Platz ein.

Lassnig begann 1941 in Wien Malerei zu studieren, musste die Akademie der bildenden Künste zwei Jahre darauf aber wieder verlassen, weil ihre Arbeiten als „entartet“ diffamiert wurden. Nach langen Jahren in Paris und anschließend in New York kehrte die Künstlerin erst 1980 nach Wien zurück, wo sie als erste Frau im deutschsprachigen Raum eine Malereiprofessur erhielt. Die aktuelle Ausstellung zeigt, wie Lassnig zuletzt Themen aus früheren Arbeiten wieder aufgreift und mit (Selbst-)Ironie reinterpretiert. So greift sie etwa auf ein Stillleben mit Obst in Plastikfolie zurück, mit dem Unterschied, dass die Modelle ihrer letzten Bilder Zellophan auf ihren Köpfen tragen.

Parallel zu Lassnig eröffnet das Mumok eine Schau des 2006 verstorbenen Medienkünstlers Nam June Paik. 1963 inszenierte der Mitbegründer von Fluxus seine erste wichtige Ausstellung „Exposition of Music“, die im Zentrum der jetzigen Schau steht. Der Kopf eines frischgeschlachteten Stiers, präparierte Klaviere, Spiegel und Puppen sorgten damals ebenso für Verwunderung wie die zwölf manipulierten TV-Geräte, die nur mit verzerrtem Bild sendeten. Paik ging es um eine Erweiterung des Begriffs von Musik, die fortan alle Sinne erreichen sollte. Seine pionierhaften Experimente sollen in der Ausstellung „Musik for all Senses“ wieder lebendig werden.

Mumok, Eröffnung Do 19.00, bis 17.5.


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