KunstKritik

Wos kost die Wöld?

Lexikon | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

In ihrer fünften Auflage zielt die vom Kunstverein < rotor > als „Land of Human Rights“ betriebene Befragung menschenrechtlich an sich garantierten Gemeinwohls nun auf den Umgang mit Ressourcen. Dass die meisten dazu aufgeführten Positionen die Problematik globaler Verteilungsgerechtigkeit so ikonisch wie ironisch zu verdichten suchen, wird einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema sicher nicht im Wege stehen. Das Grazer Künstlerduo zweintopf (Eva und Gerhard Pichler) lockt den preisbewussten Konsumenten schon am Eingang mit orangen, preiskampfsymptomatisch leuchtenden Preispickerln, fragt also: „Wos kost die Wöld?“, auch via Pickerlinfektion klassischer Bildgenres.

Miklós Mécs (Budapest) überhöht die anonym vor dem Altkleidercontainer verübte Mildtätigkeit zur wahrhaft exhibitionistischen, gleichwohl Heiligkeit versprechenden Geste. Sašo SedlaÇcek (Ljubljana) weiß, wie man ungefragt am Fußabstreifer deponierten Werbemüll sinnvoll zu Papiermascheeziegeln recyceln kann und hat mit dem so gewonnenen Material schon manchem Absender die Tür verbaut. Während die dänische Künstlergruppe Field Work (Lise Skou & Nis Rømer) in ihren Videoarbeiten das geheuchelte Umweltbewusstsein führender Energiekonzerne darstellen, hat ILA (Graz) längstens begriffen, dass sich die Welt ohnehin nur ums liebe Geld dreht. Gleich im ersten Raum setzt Šelja KameriÇc (Berlin/Sarajevo) ihre während der Belagerung Sarajevos am eigenen Leib gewonnenen Erfahrungen um und zeigt in ihrer Fotoarbeit „Basics“, was die wirklich essenziellen Bedürfnisse des Menschen sind. Damit endet freilich aber jeder Spaß. UT

Kunstverein ‹ rotor ›, bis 28.3.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige