Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Blamage, Bloßstellung, Blödheit – das einfache Prinzip der Realitysoaps. Wer sich in dieses Fernsehen begibt, kommt leicht darin um. Selber schuld. Wenn man sich anschaut, welche Menschen heute in solchen Sendungen vorgeführt werden, steigt in einem schon Mitgefühl auf. Das sind nur mehr Leute, die arm sind, keinen Job, keine Lehrstelle haben und sich deshalb im Echtmenschentheater verheizen lassen. Der Hartz-IV-Empfänger als TV-Held. Auch die ungustiöse Pro-7-Sendung „The Biggest Loser“ spielt mit der Verzweiflung der deutschen Unterschicht. Wirklich dicke Leute quälen sich da in einem Diätcamp die Kilos um die Wette runter, Bikinibilder, Seelenstrips und Lagerkoller inklusive. Katarina Witt, die ostdeutsche Kufendomina im Ruhestand, gibt die geföhnte Aufseherin – alleine das ist schon eine Zumutung für die Kandidaten. Am schlimmsten ist aber, dass sie sich vor allem in Gedanken an das Siegergeld demütigen und gegeneinander ausspielen lassen. Fette, fiese Kampfmaschinen – das bringt noch immer Quote.


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