Die Perspektive als westliche Fiktion oder als arabische Wissenschaft

Feuilleton | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Rezension: Matthias Dusini

Die Zentralperspektive ist eine Erfindung der italienischen Renaissance. Ihr liegt die Vorstellung zugrunde, dass sich der menschliche Blick vermessen und damit rekonstruieren ließe.

Die Kulturtechnik der Perspektive, die Vorstellung also, Bilder könnten Faksimiles der Wirklichkeit erzeugen, wurde zum Kennzeichen westlicher Kultur. Fotografie und Livebilder sind ihre zeitgenössischen Varianten.

Der deutsche Kunsthistoriker Hans Belting erzählt diese künstlerische Revolution aus arabischer Perspektive, damit das „westliche Patent Perspektive“ in einen historischen Zusammenhang stellend. In den Schriften etwa des irakischen Gelehrten Alhazen wird deutlich, dass es eine weit entwickelte arabische Sehtheorie gab, bevor die Perspektive im Westen zur Bildtheorie wurde.

Belting gibt einen Einblick in die von mathematischem Denken geprägte arabische Kunst. Hinter den Linienmustern, die lückenlos die Bauten und Gegenstände überziehen, stehen präzise Kalkulationen.

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