Blaue Hoden, weiße Höschen, blutroter Schnee

Feuilleton | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

„Empörung“, der jüngste Roman von Philip Roth ist das Buch der Saison: ein wütender Gesang von archaischer Wucht

Buchkritik: Klaus Nüchtern

Die grandiose Konsequenz, mit der sich Philip Roth dem männlichen Urogenitaltrakt widmet, verdient unser aller Respekt. Nachdem zuletzt die Prostata im Rampenlicht stand, befindet sich nun – zur großen Erleichterung weiter Teile der Leserschaft – wieder ein voll funktionsfähiger Phallus im Focus der Aufmerksamkeit.

Endlich wird wieder ejakuliert – „hoch in die Luft“ und herab auf die Bettdecke, denn die Primärziele sexueller Entladung sind den Angehörigen des strikt geführten Winesburg College weitgehend verwehrt: „Blaue Hoden“ wird das Phänomen plastisch benannt, das vor allem an den Wochenenden die jungen Männer dank erlösungsloser Dauerfummelei mit ihren Kommilitoninnen heimsucht.

Aber immerhin: Nachdem der impotente und inkontinente Nathan Zuckerman zuletzt in „Exit Ghost“ seinen endgültigen Abgang hatte, wird der


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