Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Über Bildungsinländer und andere Länder

Neulich auf der Informationsstelle der Universität Wien, die seit der sogenannten Abschaffung der Studiengebühren ungefähr so frequentiert ist wie ein Supermarkt in Simbabwe am Zahltag, wenn die Inflation wieder mal auf 1700 Prozent geklettert ist. Vor dem Infoschalter eine junge Frau, die – übrigens in akzentfreiem Deutsch – wissen will, ob ihr als ausländischer Staatsbürgerin wie bisher ein Stipendium zustehe, das ihr die Studiengebühren ersetzt, die Ausländer trotz Abschaffung zahlen müssten. Nein, bescheinigt die Auskunftsdame in breitem Wienerisch. Sie sei nämlich zahlungspflichtige „Bildungsinländerin“. Was ist eine Bildungsinländerin? Goethe und Schiller? Nestroy und Tocotronic? Integrationsvertrag erfüllt, Staatsbürgerschaft in Druck? Bildungsinländer, erklärt die Infofrau, sind Ausländer, die ihre Matura in Österreich gemacht haben. Ein hübscher Ausdruck also für die Speerspitze der Integrierten, um in der Unibehördendenke zu bleiben. An den Bildungsinländern spart man jetzt. Etwas zornig stapft das Mädchen davon. Da warten noch viele andere Inländer.

Joseph Gepp lernt an der Uni den Austriazismus „Bildungsinländer“ kennen


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