Schöne zweite Reihe

Stadtleben | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Sie ist so unwichtig, dass sie nicht einmal im Stadtplan steht. Eine Hommage an die Zweierlinie

Essay: Joseph Gepp

Man stelle sich den schweigsamsten Taxifahrer der Stadt vor. An einem bestimmten Punkt seiner Strecke wird er nicht herumkommen zu fragen: „Über die Zweierlinie?“

Die Zweierlinie, diese eigentlich nicht existente Straße, ist im Bewusstsein der Wiener so real wie der O-Wagen und die Meidlinger Hauptstraße. Sei es der fragende Taxler, der Ö3-Verkehrsfunk, die Fahrradwegpetition der Grünen, die Stauprognose des ÖAMTC oder der Artikel im Bezirksblatt: Sie alle sprechen von der Zweierlinie. Wer stattdessen Landesgerichtsstraße, Auerspergstraße, Museumsstraße und Getreidemarkt sagt – er könnte nur ortsfremd sein oder stockignorant.

Die Zweierlinie ist das stillschweigende Übereinkommen von 1,6 Millionen Städtern, eine Straße anders zu nennen, als sie offiziell heißt. Offiziell ist sie nämlich keine Straße, sondern die Aneinanderreihung der genannten vier Strecken.

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