Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 06/09 vom 04.02.2009

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

Schweigen ist Blech

Armin Sippel war Stadtgespräch – der Falter hatte berichtet, dass der Name des Grazer FP-Klubobmanns ebenso wie jene von zwei Mitarbeitern des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf auf einer Bestellliste des rechtsradikalen Aufruhr-Versandes aufscheint. Grafs Mitarbeiter haben die Bestellung zugegeben, Sippel dementierte. Sich selbst entlarvende Worte fand der Ring freiheitlicher Jugend zu Sippels Verteidigung: In einem Mail über „Drogenneger“ und „die ethnische Zusammensetzung“ des Falter schrieb sich ein nunmehriges Ex-RfJ-Vorstandsmitglied seine wirre Weltsicht von der Seele.

Tatsächlich hatten viele etwas zur „Causa Sippel“ zu sagen: Die Zeitungen schrieben darüber, die Rechten sprachen davon, die Grünen bezogen Stellung. Bloß von SPÖ und ÖVP, die mit der FPÖ im Gemeinderat sitzen, hörte man kein Sterbenswörtchen. Das Büro des Bürgermeisters rief auf Anfragen von Zeitungen gar nicht erst zurück. Warum hatten sie nichts zu sagen? Wien war da anders: VP-Klubchef Karlheinz Kopf stellte bezüglich der Graf-Mitarbeiter klar, jedes Anstreifen an nationalsozialistischem Gedankengut sei strikt abzulehnen. Auch sein SP-Pendant Josef Cap wollte „keinen Funken Toleranz“ üben. Der Grazer Bürgermeister und die SPÖ hätten ebenso klare Worte finden müssen. Dank ihrer Sprachlosigkeit werden die Ausritte rechter Recken in dieser Stadt allmählich zur Normalität. Und unter dem Mantel ihres Schweigens wird das Kalkül sichtbar: 2010 wird im Land gewählt, Landeshauptmann Franz Voves (SP) und Vize Hermann Schützenhöfer (VP) haben sich stets bemüht, die FPÖ als potenziellen Partner einzuschließen – übrigens sehr wortreich.


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