Kritik

Back to the Sixties: "Die Reifeprüfung"

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Es gab revolutionärere Filme um 1968 als "The Graduate". Mike Nichols' Tragikomödie, in der ein niedlich junger Dustin Hoffman von einer schon etwas reiferen Anne Bancroft verführt wird, ist in Form und Inhalt wenig umstürzlerisch. Doch zumindest ist er subtil in seiner Figurenzeichnung, elegant in der Taktung der Songs von Simon & Garfunkel, und er wagt Kritik an der konservativen Institution Ehe. Warum nun sollte man "Die Reifeprüfung" 2009 neu inszenieren? Gute Frage. Das Tabu des Altersunterschieds sollte doch wohl längst keines mehr sein. Regisseur Felix Prader hat das Sixties-Popdrama im Volkstheater dennoch neu aufgelegt - als plumpe Boulevardfarce, in der Charaktere zu Karikaturen werden: Ist der junge Mann (Claudius von Stolzmann) zornig, schleudert er etwas zu Boden, freut er sich, schlägt er einen Purzelbaum, und seelisches Chaos spiegelt sich in der Zerwühltheit der Frisur. Die Bühne (Werner Hutterli) ist eine überdimensionale Schrankwand, hinter deren Türen sich die nackte Geliebte (Susa Meyer) verbirgt. Zur Schadenfreude des Publikums, das mehr weiß als der betuppte Gatte. Die sanfte Erotik des Originals geht dabei verloren, mehr noch: Neue Szenen ergehen sich in zotigen, auch homophoben Untertönen und bieten als Finale den idyllischen Ausblick auf eine neue Ehe.

Volkstheater, Di und Do 19.30


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