Tipp

Letzte Vorstellungen: eine Medea von heute

Lexikon | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Es war eine der Aufführungen des Jahres 2007: Der polnische Regiestar Grzegorz Jarzyna hat für seine erste Wiener Inszenierung die antike Tragödie der Kindsmörderin "Medea" nicht modernisiert, sondern gleich neu geschrieben. Jason (Roland Koch) ist ein OMV-Manager, der von einem Auslandengagement mit georgischer Gattin zurück nach Wien kommt; einsam verbringt Medea (beängstigend gut: Sylvie Rohrer) ihre Tage in der neuen Wohnung, misstrauisch beäugt von einem monströsen Wiener Ehepaar, das als Chorersatz durch das Drama geistert. Die Rolle der Königstochter wird vom Kindermädchen Justine (Mareike Sedl) übernommen, zu dem sich nicht nur Jason hingezogen fühlt. Eros und Tod, Xenophobie und Wahnsinn: In suggestiven, surrealen, manchmal geschmäcklerischen Bildern verliert Medea langsam den Verstand. Am Ende sind auch hier die Kinder tot - das Experiment aber ist gelungen. WK

Burgtheater-Kasino, letztmals Sa und So 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige