Kritik

Was kann der Sigismund dafür, dass er so bös ist?

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Mit Calderóns "Tochter der Luft" wurde die Direktion Bachler vor knapp zehn Jahren eröffnet, mit Calderóns "Das Leben ein Traum" geht sie nun ihrem Ende zu. Das berühmte, wenn auch selten gespielte Stück aus dem 17. Jahrhundert ist ein barock-katholisches Läuterungsdrama, in dem ein Polit-Psychothriller steckt: Der unter einem Unstern geborene Königssohn Sigismund wird von seinem Vater prophylaktisch in einen Turm gesperrt, wo er als frühe Kaspar-Hauser-Figur aufwächst. Als er dann probehalber doch an die Macht gelassen wird, geriert sich der junge Mann tatsächlich so tyrannisch wie befürchtet, und er landet umgehend wieder im Gefängnis - wobei ihm suggeriert wird, alles nur geträumt zu haben. Irgendwann weiß in diesem Stück keiner mehr, was Traum und Wirklichkeit - und was genau der Unterschied ist. Klingt nach einem spannenden Stoff, ist aber weit entfernt von einem spannenden Abend. Regisseurin Karin Beier, die der Direktion Bachler einige schöne Inszenierungen bescherte und inzwischen erfolgreiche Intendantin in Köln ist, hat anstelle eines Konzepts nur ein Streichorchester und Nicholas Ofczarek als Sigismund zu bieten - aber der Star wirkt diesmal etwas lustlos und spult routiniert seine bewährte Schwererziehbaren-Nummer ab. Eineinhalb Stunden lang zieht sich der Abend uninspiriert dahin, dann zündet Beier recht unmotiviert die Konfettikanone. Ungefähr so muss das Regietheater aussehen, vor dem uns unsere Eltern immer gewarnt haben. Gute Nacht.

Burgtheater, nächste Vorstellungen 21. und 22.2. 18.00


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