Kunst Kritik

Heil sehen mit rotem Faden

Lexikon | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Mehr als ein Monat nach Weihnachten werden die Tage wieder spürbar länger. Und weil das Kirchenjahr kosmologische Zusammenhänge gut und sinnvoll in sich abbildet, wird am 2. Februar Lichtmess gefeiert, also der greisen Propheten Simeon und Hanna gedacht, die das im Tempel nach altem Ritus dargebrachte Jesus-Kind so sehr erleuchtet hatte, dass sie geruhsam ihrem Tod entgegensahen.

Auf wortgetreue Bibelillustration versteht sich das Kulturzentrum bei den Minoriten bekanntlich nicht. Darauf, metaphorische Gehalte in eine zeitgemäße Form zu übersetzen, umso mehr. Das Thema Licht bietet einer künstlerischen (Selbst-)Analyse auch genügend Anknüpfungspunkte, wie die Ausstellung zum Mehrspartenprojekt "Lichtmesz" vorführt. Damit sich das alles aber nicht ins allzu Beliebige verliert, steuert Alfred Resch die nötige Didaktik bei, durchzieht die Ausstellungsräume mit Lichtfaserkabeln, die am Ende ihrer schlingernden Bahn zum Ausgangspunkt der Explorationen zurückführen und Rembrandts Bild des weisen Simeon beleuchten.

Der mithin installierte rote Faden ist auch nötig, um so unterschiedliche Positionen wie Wolfram Hahns unaufgeregte und unaufregende Kinderporträts oder Alois Neuholds grellbunt leuchtende Farbtafeln zusammen zu halten. Und während Wilhelm Scherübl das uralte Symbol Licht- und also Gottzugewandten Lebens, die Sonnenblume, in einem mystisch gedachten Ambiente reflektiert, sucht Tobias Trutwin nach dem "echten Bild", zeigt dabei in eindrucksvoller Weise auf, welche Tiefe und Lebendigkeit Bilder haben können, wenn man sie mit Widerspiegelungen ihrer selbst oder des Betrachters kommunizieren lässt. UT

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 6.3.


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