Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Es soll keiner sagen, man habe nicht die ganze Zeit alles gewusst. Im Juni 1993 berichtete Die Presse: "Fast alles mit Ausnahme des Auftrages müsse sich im ORF ändern. Das meinte Generalintendant Gerd Bacher bei einem Vortrag in München. In der aufsehenerregenden Rede gab sich Bacher davon überzeugt, dass, Anstalten heutiger Verfassung' keine Zukunft auf dem Markt haben werden. Er schlug vor, den ORF in eine Kapitalgesellschaft ohne Gewinnorientierung, aber mit der Verpflichtung zu größtmöglicher Wirtschaftlichkeit zu verwandeln.

Die Wurzeln der aktuellen Probleme sieht Bacher in der technischen Entwicklung und in einem, gesellschaftlichen Paradigmenwechsel': Trends wie Reagonomics hätten zu einer, Vergötzung des Marktes' geführt. Er selbst verstehe sich als Anhänger einer sozialen Marktwirtschaft, hege aber Zweifel, ob man, auf Teufel komm raus alles und jedes kommerzialisieren soll'. Bei der Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seien, so Bacher, die Anstalten, nicht frei von Selbstverschulden': die, Sünden' hießen Bürokratisierung, Schwerfälligkeit, Hochmut, Bevormundung und politische Befangenheit. Das Publikum brauche nationale Programme als, Identitätsstifter einer modernen Gesellschaft'. Diese sollten so wenig trivial wie möglich sein, während die kommerziellen Sender, scharf in Richtung Trivialkultur' zielten."

Alles beim Alten, nix is g'schehn. Wird Zeit für eine neue Grundsatzrede.

Gerd Bacher

Quelle: ¦ Die Presse, 4.6.1993


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