Glosse

Wie die Rowohlt-Gang die Sperrfristverbrecher vom "Spiegel" klagte

Kultur

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Im Norden Deutschlands weht ein steifer Ostwind von Reinbek gen Hamburg, von Rowohlt gegen den Spiegel: Der Verlag betrachtet die an sich ausgedealte Veröffentlichung eines Kehlmann-Artikels vor dem Erscheinen von dessen Roman "Ruhm" nun doch als vereinbarungswidrig. Das Argument ist plausibel: Ausgemacht war ein Porträt, das (im Übrigen recht laue und maue) Feature ging aber stark in Richtung Rezension. Ob der Spiegel im Verurteilensfalle die vollen 250.000 Euro berappen muss? Und ob das Beispiel Schule macht? Verstöße gegen die Sperrfrist sind lästig, andererseits tragen vertraglich geregelte Ausnahmevereinbarungen sicher nicht zur Stärkung der Institution Kritik bei. Im Zweifelsfalle aber ist es gut, wenn das Kuschelklima des Literaturbetriebs durch die ein oder andere eisige Brise verblasen wird.


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