Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Kolumnist der Welt der Woche

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Amethyst und Narrenthaddl

Jemand hat einmal gesagt, eine gute Kolumne dürfe sich nicht wiederholen und ihr Wesensmerkmal sei ihre Unvorhersehbarkeit. Die meisten aber können das nicht, sie haben nicht nur nichts zu sagen, sondern es gebricht ihnen einfach an Neugier, Haltung, Witz und Volten.

Einer der besten deutschsprachigen Kolumnisten, Max Goldt, stritt erst unlängst in seiner Kleist-Preisrede ab, ein Kolumnist zu sein. Er habe nie eine Kolumne geschrieben, denn "Kolumnen sind Meinungsbeiträge in journalistischen Medien, deren Autoren sich dadurch auszeichnen, dass sie unverhohlen nach Zustimmung ihrer Leser gieren".

Natürlich hat diese Definitionseinschränkung auch mit einem verständlichen Distinktionsreflex infolge der global grassierenden Kolumnenschwemme zu tun.

Ein Kollege von Goldt, auf den diese Definition ebenfalls zuträfe, ist Robert Löffler alias Telemax. Er schreibt seit 38 Jahren in einem Umfeld, das man auch nicht unbedingt als journalistisch bezeichnen würde, und es scheint ihm eine kindische Freude zu bereiten, meilenweit an der Zustimmung seiner Leser vorbeizuschreiben.

Jede seiner Geschichten ist ein schillernder Amethyst, aber was er am 1. Februar in der Sonntags-Krone schrieb, war ein Meisterwerk an Beobachtung und Analyse, und gipfelte in einer derart hämischen Pointe, die beim Leser die innere Katze schnurren ließ vor Glück.

Telemax machte sich Gedanken über das mobile Telefonieren im urbanen Raum. Jeder andere würde geifern, Löffler erinnerte sich an seine Jugend am Land - und an den sogenannten Narrenthaddl, der mit sich selbst sprach und "häufig mit der Ziege und dem Kalbe verlobt" gewesen sei. Er habe nichts gegen Handys, müsse aber immer daran denken, der hinter ihm Telefonierende sei ein armer Teufel und solle sich sputen, "weil daheim vielleicht schon das Kälbchen nach ihm muht".


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