Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten

Tiefsinnige Gedanken zum Sonntag

Sonntagvormittage mit Kindern kommen immer früher oder später zu dem Punkt, wo eines oder zwei heulen. Dann greifen souveräne Väter ein, die sich eigentlich nicht mal die Geburtstage ihrer Kinder merken können, vor ihren Brunchfreunden aber doch gut dastehen wollen: Sie können nicht nur faszinierende Geschichten aus der Kletterhalle erzählen, sondern daneben noch ihre Kinder beruhigen. Wenn sie durch Beziehungsberatung, Problembücher oder die Streitschule Graz geschult sind, sondern sie dann Plattitüden ab, wie: Zum Streiten gehören immer zwei! Das klingt beruhigend und salomonisch, stimmt aber überhaupt nicht. Höchstens in Liebesbeziehungen. Sandkastenkonstellationen sind aber keine Liebesbeziehung, sondern eher mit Staaten zu vergleichen, die aneinandergrenzen und sich so gegenseitig auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. In solchen Schicksalsgemeinschaften reicht bereits ein aggressives Element, und es gibt Krieg. Oder sollte man dem Kind, das gerade mit der Schaufel eine drübergezogen bekommen hat, weil der benachbarte Kevin schlecht geschlafen hat, das Recht auf Selbstverteidigung absprechen? Wir können ganzen Generationen von friedensbewegten Eltern beim Scheitern an dieser banalen Einsicht zuschauen. Zum Streiten reicht einer. Umgekehrt ist es leider so, dass zu einer harmonischen Beziehung, einem Friedensabkommen, einem guten Tennisspiel oder einer langen exzessiven Liebesnacht auf jeden Fall mindestens zwei gehören.


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