Doris Knecht

Dieses spezielle Gen fehlt mir leider

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 07/09 vom 11.02.2009

Neuer Plan. Die Kinder kriegen den Nintendo DS jetzt nicht mit acht und nicht nie, sondern zum siebenten Geburtstag. Das beruht keineswegs auf innerer Überzeugung oder neugewonnener Einsicht, sondern ich weiche dem Druck all der anderen, vollkommen verantwortungslosen Eltern, die ihren Kindern längst Nintendo DSes gekauft haben und die jetzt meinen Kindern mit den Benefizien mehr oder weniger verkofferter Computerspiele das Hirn nachhaltig verbrannt haben. Wochenlang habe ich nichts anderes gehört als Nintendo DS, Nintendo DS und Mario Kart und Pokemonfürnintendo, und dass es übrigens auch ein Jamie-Oliver-Kochkurs-Spiel gebe, das sei ja wohl überhaupt nicht deppert, den ganzen Scheiß, wochenlang, und das gebe es jetzt auch in Weiß!, und kriege ich dann auch eins, vielleicht mit acht?, zum Geburtstag?, kriege ich?, kriege ich?, bittebittebittebittebittebitte!, und jetzt kann ich einfach nicht mehr. Der Lange auch nicht. Man wird es zeitlich beschränken. Sie dürfen aber nicht jeden Tag. Zwei Spiele pro Kind, und aus. Und für die Fahrten ins Waldviertel ist es sicher nicht schlecht. Undundund. So weichgedögelt sind wir, dass wir uns jetzt schon Gründe überlegen, warum das Klumpert auch noch gut sein soll, und in Wirklichkeit sind wir einfach alt und haben die Nerven nicht mehr. So viel dazu, dass man das Richtige tun muss: meistens sagen einem jetzt die Sechsjährigen, was richtig ist, so lange und hochfrequent, dass man's schließlich glaubt.

Apropos ins Hirn einidings: Als Folge der Folge der Folge davon war es am Sonntag notwendig, wieder einmal mit der Nikotinentwöhnung zu beginnen. Ist es nicht schön, wenn die schlimmsten Eiferer wieder Gefallen an ihren alten Lastern finden? Was heißt: wieder so voll hineinkippen, dass schon nach wenigen Wochen erneut ein Entzug notwendig wird. Nach mehreren schlaflosen Nächten, in denen mich verzweifelte, echoverzerrte Kinderstimmmen ("Davon wird man touhouhout!") peinigten und ich mir ein Lungenkarzinom in seiner ganzen, grausigen Schönheit imaginierte, besorgte ich mir Nikotinkaugummi, Geschmacksrichtung Freshmint. Die armen Kinder, die davon nicht einmal etwas wissen, weil ihnen Mutter ihren Rückfall in die Sucht aus Moralpredigtvermeidungsgründen ("Davon wird man toooooot!!!!") verheimlichte, werden nun ein paar Tage lang übel angegrantelt werden. Der Lange auch, aber da trifft's wenigstens keinen Falschen.

Der Lange raucht heimlich auch schon länger wieder, besitzt aber offenbar ein Suchtkontrollgen, das es ihm erlaubt, zwischendurch jeweils tagelang ohne Zigarette überleben zu können. Dieses Gen fehlt mir, wie ich nach sieben Jahren totaler Nikotinfreiheit, die auf 20 Jahre totale Nikotinsucht gefolgt waren, erneut erfahren durfte. Und Sie auch, wenn Sie mir jetzt also bitte lieber aus dem Weg gingerten, ich bin gerade gar nicht gut drauf.


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